Montag, 5. Oktober 2009

Lektüre

Wie lange ist es her, dass ich die Blechtrommel gelesen habe? Jahre und zugleich nur einige Momente. Am Stück hatte ich sie vor Jahren verschlungen, und später, bis heute, immer wieder, tröpfchenweise konsumiert, adaptiert, mir und meinem Schreiben anverwandelt...
Ob das reicht, für eine öffentliche Diskussion mit Günter Grass und fünf anderen Schriftstellern, für eine Diskussion mit dem Thema: Was ist die Blechtrommel für die verschiedenen Generationen?

Ich weiß vor allem, was die Blechtrommel für mich ist, als Schreibende. Das kann und werde ich erzählen. Aber ein Politikum daraus machen? Für mich ist die Literatur ein eigener Raum, hat ihre eigenen Grenzen, kennt keine Staatsgrenzen, ist sich selber Struktur und Halt genug.

Wie dem auch sei, bis Donnerstag heißt es also: eifrig blättern, sich erinnern, Notizen machen. Die Diskussion wird im Artushof stattfinden, vor über 300 geladenen Gästen. Gerade habe ich mich mit der Kuratorin des Festivals getroffen, die mir erzählt hat, dass sie sich gleich ein neues Kleid kaufen geht, für das Abendessen mit Grass und dem Bürgermeister der Stadt. Ich habe meine Lektüreerfahrung und meine Hochachtung für Grass' Literatur. Das muss reichen.

Kommentare:

  1. Hallo Frau Janesch,

    wir sind ende Oktober in Danzig und drehen einen Reisebericht. Würde mich gerne mit Ihnen in dieser Zeit treffen und ein Interview führen. Kann ich auf einem nicht öffentlichen Weg mit Ihnen in Kontakt treten?

    Konrad Olson

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  2. Hallo Frau Janesch,

    "... Gerade habe ich mich mit der Kuratorin des Festivals getroffen, die mir erzählt hat, dass sie sich gleich ein neues Kleid kaufen geht, für das Abendessen mit Grass und dem Bürgermeister der Stadt. Ich habe meine Lektüreerfahrung und meine Hochachtung für Grass' Literatur. Das muss reichen. ..."

    Entschuldigen Sie, aber Ihre Unterstellung der Kuratorin gegenüber ist takt- und geschmacklos!

    Ob das reicht (fragen Sie G. Grass !), ist auch nicht sooooo sicher (ich hoffe für Sie: JA!)

    Gruss
    KoJaK Moguncjusz

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  3. Man muss schon sehr böswillig sein, um in diesen Formulierungen eine Unterstellung zu erkennen. So war es sicher nicht gemeint, jedenfalls habe ich es nicht so verstanden.

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  4. Nein, mein Kommentar ist nicht böswillig gemeint, ich habe es so verstanden!

    Wenn es nicht so gemeint war, wie ich es verstanden habe, dann is alles in Ordnung.

    Gruss
    KoJaK Moguncjusz

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  5. Denk ich an Danzig in der Nacht,
    dann bin ich um den Schlaf gebracht!

    Insbesondere wenn von einer "Danziger Stadtschreiberin", welcher Danzig offensichtlich völlig fremd ist, der Danziger Intellekt von Günter Grass näher gebracht wird.

    Liebe Stadtschreiberin, ich sage es so, damit auch sie es als Nicht-Danzigerin auch verstehen können, wenn Günter Grass in der Bahn als Verräter beschimpft wird dann nicht deswegen weil er bei der SS wahr, sondern weil er DANZIG verraten hat, als Kaschube an die Deutschen.

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  6. Noch Fragen???
    Ich warte darauf!!!

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  7. Die Blechtrommel ist gar keine Frage der Generationen, sondern der realen deutsch-polnischen Beziehungen, und zwar nicht auf der staatlichen, sondern menschlichen Ebene, wie die beiden Völker zum bestimmten Zeitpunkt einander wahrnehmen. Wie ich Ihnen bereits einmal erwähnt habe, vertrete ich stets die Sehweise der Oma Koljaczek, was das nationale Bewusstsein der Deutschen und Polen und die Auswirkung dieses Bewusstseins auf die dazwischen stehenden Bevölkerungsgruppen angeht. Der Unterschied zwischen damals und jetzt ist bloß, dass die Kaschuben oder Schlesier immer zu wenig deutsch oder zu wenig polnisch waren. Nach dem Krieg haben sich die Regierungen der BRD und Volksrepublik Polen überschlagen, entsprechend das Deutschtum und Polentum der Kaschuben oder Schlesier zu beweisen, weil dies der einen oder der anderen Seite gerade politisch zupass kam. Heute ist es auch nicht besser. Wie das genau funktioniert, konnten wir in den letzten Präsidentenwahlen in Polen beobachten. Solange sich Tusk um dieses Amt nicht beworben hatte, hat sich keiner interessiert, was Tusks Großvater während des Kriegs gemacht hat, dann plötzlich ist das sehr wichtig geworden. Dass Tusk damals nur deswegen viele Stimmen verloren hat, zeugt nur davon, dass Oskarchen noch lange nicht erwachsen werden will... Der deutsch-polnische Dialog wird leider erst ab und nur innerhalb eines gewissen gesellschaftlichen Niveaus geführt.

    Aleksander Grejner

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  8. @Gerold Ewald: Sind Sie DER G.E., der einer "Exilregierung der Freien Stadt Danzig" vorsteht? Gemessen an Ihrem unangemessenen Tonfall haben Sie diplomatisch aber noch einiges dazuzulernen, sollten Sie sich mit Ihrem drolligen Verständnis von Völkerrecht dereinst durchsetzen - was im Übrigen niemand hoffen möge.

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